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18.08.2014: Die Militärregierung macht ernst mit ihrem Kampf gegen illegale Bauwerke an Phukets Stränden

26.06.2014: Ist Thailand nach der Machtübernahme des Militärs sicher?

18.08.2014: Die Militärregierung macht ernst mit ihrem Kampf gegen illegale Bauwerke an Phukets Stränden

Phuket ist ein trauriges Beispiel, wie eine einstmals einmalig begeisterungswürdige Insel durch ungezügelte Bauwut, gefördert durch Korruption und illegale Bautätigkeiten zu einem „No Go“ für eine Vielzahl Thailandtouristen wird.

Und nicht nur, dass viele Strände verbaut wurden, es wurden zunehmend an per Gesetz frei zugänglichen Stränden auch Eintrittsgelder verlangt. So etwa am Paradise Beach, der recht idyllisch südlich von Patong liegt. Wir fanden es sowohl irritierend wie schockierend, dass Rechtsbrüche so offensichtlich von der Polizei geduldet wurden.

Mittlerweile wurden die illegalen Betreiber aufgefordert, ihre Geschäfte einzustellen und die Gebäude abzureißen. Betroffen sind sowohl Anbieter von Strandliegen, Strandmassagen und Jetski-Betreiber als auch Bar- und Restaurantbesitzer, siehe Phuket Gazette vom 09.07.2014 und 26.07.2014.

Im Internet sind inzwischen einige auch filmische Stellungnahmen der Betroffenen zu finden. Darin stellen sie sich als arme „Locals“ dar, die versuchen neben den vielen großen Investoren ihr bescheidenes Leben zu meistern und anderen der hiesigen Bevölkerung Jobs verschaffen.

Was die Jobs betrifft, müssen wir seit Jahren feststellen, dass insbesondere die thailändischen Betreiber von Hotels, Restaurants und Bars zunehmend günstige Arbeitskräfte aus Myanmar einstellen. Sowohl beim Service als auch in der Küche wird thailändisches Personal zunehmend eine Rarität. Diese Entwicklung ist in allen touristischen Zentren insbesondere in Südthailand zu beobachten.

Und der Opferrolle der Betreiber als „arme Locals“ steht gleich eine Fülle an negativen Folgen gegenüber. Um ein illegales Bauwerk am Strand errichten zu können bedarf es eines ansehnlichen Korruptionsbetrages, den sich auch auf Phuket nur Wenige leisten können. Es werden bewusst Palmen gerodet und Strandflächen bebaut, die dafür nicht offiziell freigegeben sind und in Summe das Erscheinungsbild der gesamten Insel negativ entwickelt haben. Und nicht zuletzt wurde von Touristen widerrechtlich Geld für den Zugang an den Strand abverlangt und oftmals ein mehr als unfreundliches rein auf schnelles Geld ausgerichtetes Gebaren an den Tag gelegt.

All dies hat das Image Phuket`s bereits nachhaltig negativ geprägt, so dass versucht wird, die fehlenden Touristen aus westlichen Ländern durch Gruppentourismus aus Russland, China und anderen asiatischen Staaten zu kompensieren.

Durch diese Entscheidung wurde eine weitere negative Spirale in Gang gesetzt, die nachhaltig zu Lasten der Qualität von Leistungen ging. Das betrifft alle Bereiche vom Service in den Hotels bis hin zur Qualität der Speisen in immer mehr einstmals guten Restaurants.

Viele Besitzer von massiven Gebäuden haben sich geweigert, den Aufforderungen zu ihrer Entfernung nachzukommen. Mitte August hat daher das Militär mit einer 500 Mann starken Truppe begonnen, die Gebäude selbst abzureißen, siehe Phuket Gazette vom 15.08.2014.

Wir begrüßen die Konsequenz, mit der die Missstände auf Phuket beseitigt werden und hoffen, dass die Insel wieder etwas von ihrer früheren Attraktivität zurückgewinnt.

26.06.2014: Ist Thailand nach der Machtübernahme des Militärs sicher?

Das Bild in der Presse

Erst die Demonstrationen in Bangkok und nun die Machtübernahme durch das Militär. In der Presse wird häufig ein alamierendes Bild von der Situation in Thailand gezeichnet.

Die Rede ist von wütenden Protesten, gewalttätigen Auseinandersetzungen, einer Eskalation der brisanten Lage und sogar Bürgerkrieg. Beschreibungen und eine Wortwahl, die sofort an die Unruhen in Ägypten und andere Länder des Nahen Osten sowie Afrika erinnern.

Dazu vermittelt Herr Kuntz von der Süddeutschen Zeitung (Artikel vom 23.05.2014) das Bild von unverantwortlich oder zumindest unseriös handelnden Reiseveranstaltern, wenn sie weiterhin Thailandreisen anbieten.
Und nun hat auch noch das Militär die Regierung entmachtet und das Ruder übernommen.

Die Einschätzung des Auswärtigen Amtes

Offizieller Gradmesser für die Gefahrenlage eines Landes sind die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Hier klingt die Einschätzung der Lage allerdings viel harmloser. Es wird im Gegenteil bestätigt, dass das öffentliche Leben weitgehend normal verläuft und dass sich Thailandtouristen über die aktuelle Lage informiert halten sollen.

Es gibt weder eine Reisewarnung noch zeichnet sich solch eine ab. Erst mit einer offiziellen Reisewarnung wird die Situation in einem Land als ausreichend bedrohlich eingeschätzt, dass Touristen das Land meiden sollten und Anrecht auf kostenlose Stornierungen und Umbuchungen ihrer Reisen haben.

Was bedeutet die Situation für Bangkok-Aufenthalte?

Wie stehen fast täglich mit unseren Partnern und Guides in Bangkok in Verbindung. Sie alle waren bereits während der Demonstrationen von Oktober letzten Jahres bis Mai dieses Jahres völlig entspannt. Sie haben lediglich zur Zeit der großen Proteste darum gebeten, dass unsere Gäste nicht in Hotels in der Nähe des Regierungsviertels untergebracht werden, damit die Transfers zum Flughafen als auch die Touren ungestört durch Straßenblockaden durchgeführt werden können.

Die Situation für unsere Gäste wurde zu keinem Zeitpunkt als bedrohlich gewertet und das hat sich auch mit der Machtübernahme durch das Militär nicht geändert.

Wie erleben unsere thailändischen Freunde die Situation?

Als Außenstehende müssen wir zunächst wissen, dass die Rolle und das Ansehen des Militärs in Thailand in keiner Weise mit anderen Ländern vergleichbar ist und schon gar nicht mit Staaten in Nahost oder Afrika.

Das Militär wird von vielen Thais eher freundschaftlich betrachtet und genießt weit mehr Anerkennung als beispielsweise die Polizei, welche ihre Sympathie durch Korruptionsfälle in der Vergangenheit verspielt hat.

Auch in unserem Freundeskreis wird die Machtübernahme des Militärs überwiegend als unkritisch und sogar positiv bewertet. Allerdings zählen die meisten von ihnen eher zum Bildungsbürgertum, haben relativ gutbezahlte Jobs und zählen damit wahrscheinlich auch mehr zu den Anhängern der Yellow Shirts.

Die Yellow Shirts sind die zweitgrößte der zwei großen politischen Fraktionen in Thailand und es gilt als so gut wie sicher, dass sie in demokratischen Wahlen keine Chance haben, an die Macht zu kommen. Entsprechend wird die Machtübernahme durch das Militär und die Absetzung der von den Red Shirts getragenen Regierung als Fortschritt für die eigene Position gewertet.

So lieb wie wir unsere Freunde haben, müssen wir auch einräumen, dass das politisch-demokratische Verständnis auch bei ihnen noch einiger Übung bedarf.

Auch von ihnen haben wir zu jeder Zeit die Rückmeldung erhalten, dass sie die Situation in Bangkok wie in ganz Thailand unbedenklich einschätzen.

Das meinen unsere Kunden, die trotz der Vorkommnisse in Bangkok waren

Seit Beginn der Demonstrationen waren auch von uns Kunden in Thailand und in Bangkok. Alle Aufenthalte und geplanten Touren verliefen ohne Störungen. Ein paar wenige Kunden haben wir auf Grund ihrer Besorgnis (die wir an dieser Stelle nicht verschweigen möchten) oder zur Gewährleistung reibungsloser Transfers und Touren in Hotels außerhalb des Regierungsviertels und der Demonstrationszonen umgebucht.

Der Tenor all unserer Kunden, die dort waren und zum Teil sich auch die Demonstrationen angesehen haben, lässt sich wie folgt durch die exemplarische Stellungnahme eines Gastes aus München zusammenfassen:

„Die Demonstrationen sind ja ganz anders als wir uns das in Deutschland vorgestellt haben. Das ist ja weniger eine Demonstration als ein großes Volksfest, eher schon wie das Münchner Oktoberfest.“

Diesen Kunden haben wir übrigens auf seinen Wunsch hin für den zweiten Bangkokaufenthalt am Ende seiner Thailandreise wieder in das ursprüngliche Hotel zurückgebucht.

Und was sagen wir als LebensWert Thailand dazu?

Wir schließen uns der Bewertung des Auswärtigen Amtes, und Partner und Freunde in Thailand sowie nicht zuletzt der Einschätzung unserer Kunden an. Das öffentliche Leben verläuft normal, wer eine Demonstration besucht, sollte dies mit zu gebotener Umsicht tun und die nächtliche Ausgangssperre zwischen 00:00 und 04:00 in Bangkok und Chiang Mai ist ein Ärgernis.

Für alle, die nach Thailand nicht wegen des Nachtlebens reisen, sondern um das Land kennenzulernen, schöne Touren zu machen und einen entspannten Strandurlaub zu erleben, stellen auch die Ausgangssperren keine spürbare Beeinträchtigungen dar.

Es ist schade, dass viele Zeitschriften und Publikationen mehr darauf bedacht sind, ein "spannendes" Geschichtchen zu schreiben als über die tatsächliche Situation aufzuklären.

Hintergrundinformationen zur politischen Einschätzung der Situation

Die politische Situation in Thailand hat viele Facetten und vereinfachte Schuldzuweisungen sind wie so oft Fehl am Platz. Eine Meinungsfindung zwischen sozialen Missständen, Korruption, dem Vorwurf käuflicher Wähler und bornierten Politikern ist für einen Thailänder und erst recht für einen Außenstehenden nicht einfach.

Es gibt zwei große politische Fraktionen, die Yellow Shirts, vertreten durch die konservativ royalistische Partei Phak Prachathipat und die Red Shirts, vertreten durch die Pheu-Thai-Partei, der Nachfolgepartei der 1998 von Thaksin gegründeten Thai-Rak-Thai-Partei.

Obwohl die Pheu-Thai-Partei als diejenige gilt, die die Interessen der ärmeren Landbevölkerung vertritt, würden wir sie weder als linksdemokratisch oder gar sozialistisch bezeichnen. Vielmehr ist sie ein Sammelbecken vormals kleinerer Parteien mit sehr unterschiedlichen Zielen.

Statt Programmatik herrscht durchgehend Pragmatik, sowohl was den Status der einzelnen politischen Vertreter als auch der Parteien betrifft. So besetzte auch Yingluck Shinawatra, die letzte Präsidentin und Schwester des wegen Korruption gestürzten Thaksin, ihre Regierungsmannschaft mit Kabinettsmitgliedern, die zu zwei Dritteln aus Millionären bestand.

Unwahrscheinlich, dass diese statt ihrer Eigeninteressen primär das Wohlergehen der Ärmsten im Lande verfolgt haben.

Thaksin besaß vor seinem Sturz und der Einziehung eines Teils seines Vermögens ca. 1,5 Milliarden Euro und Yingluck wird aktuell auf ca. 13 Millionen geschätzt.

Trotzdem gilt die Pheu-Thai-Partei als Partei der ärmeren Bevölkerungsschichten und der Landbevölkerung und somit des größten Teils der Bevölkerung. Bei einer demokratischen Wahl wird diese Partei deshalb derzeit immer die Wahl gewinnen.

Das wissen auch die anderen Parteien, weshalb bereits vor Jahren die außerparlamentarische Opposition „Yellow Shirts“ gegründet wurde. Diese repräsentieren mehr das "Bildungsbürgertum", die Besserverdienenden und letztlich die städtische Bevölkerung.

Aus dem Wissen heraus, dass sie bei einer demokratischen Wahl keine Chance haben, haben die Yellow Shirts die Demonstrationen auch nicht eingestellt und die Neuwahlen blockiert.

Wie bereits in den Jahren und Jahrzehnten zuvor war auch diesmal nicht ansatzweise erkennbar, dass die politischen Lager eine politische Lösung suchen. Die Idee einer politischen Duldung oder gar Kooperation zumindest bei Einzelthemen ist im Verständnis der thailändischen Parteienvertreter eher eine absonderliche Vorstellung.

Suthep Thaugsuban, Anführer der Demonstrationen der Yellow Shirts wollte ein ungewähltes Komitee, das in einem bis anderthalb Jahren Reformen durchsetzt, die die Regierungschancen der Yellow Shirts begünstigen. Und Yingluck Shinawatra, die Präsidentin gefiel sich in der weinerlichen Rolle des unverstandenen und zu Unrecht angegriffenen kleinen Mädchens.

Vor diesem Hintergrund und in diesem Wirrwarr haben wir viele Gespräche mit unseren Partnern und Freunden in Thailand geführt und müssen einräumen, dass die Beurteilung der Situation dadurch nicht einfacher wird.

Warum nicht?

Nun, viele Freunde von uns kommen aus Bangkok und anderen größeren Städten und sind wahrscheinlich überwiegend Anhänger der Yellow Shirts. Viele haben die Demonstrationen unterstützt und waren sich einig darin, dass die aktuelle Regierung "weg" muss.

Allerdings haben wir auf unsere Frage, was sie sich als Alternative vorstellen vielfach nur ein Achselzucken mit der Bemerkung, das wüssten sie auch nicht. Nur, das die jetzige Regierung weg muss, das sei wichtig und richtig.
Unsere Sichtweise, dass in einer Demokratie eine in Wahlen unterlegene Minderheit auch das Votum der Mehrheit akzeptieren müsse, wurde gänzlich anders gesehen.

Unser Rückschluss aus diesen Erfahrungen ist, dass Thailand es in der Vergangenheit versäumt hat, bereits in der Schule über die Vermittlung unterschiedlicher politischer Systeme und Programme, ein dem europäischen vergleichbares politisches Bewusstsein zu fördern.

Das Fazit, das wir aus den Ereignissen der letzten Wochen und Monate ziehen ist, dass Thailand als junge Demokratie noch viel über Demokratie lernen muss. Und das möglichst schnell, denn wenn eines wahrscheinlich nicht allzu fernen Tages der alte König das Zeitliche segnet, wird ein wichtiges versöhnendes Element verschwinden, das von niemanden aus der Königsfamilie ersetzt werden kann. Und dann steht zu befürchten, dass die Konflikte sich auf einer neuen Eskalationsstufe wiederfinden.

In einer Situation, in der die beiden großen politischen Fraktionen sich unversöhnlich gegenüberstehen und nicht bereits sind, eine tragfähige politische Lösung zu suchen hat das Militär nun die Reißleine gezogen. In den ersten Tagen nach der Machtübernahme hat es noch versucht, die Kontrahenten an einen Tisch zu bringen, damit diese über einen politischen Ausweg beraten. Das ging erwartungsgemäß schief.

Spannend bleibt die Frage, ob das Militär den Yellow Shirts wieder zur Macht verhilft und die Interessen der Red Shirts und ihrer Anhänger zurückdrängt. In diesem Fall dürfen in Zukunft wieder Ausschreitungen vergleichbar jenen in 2010 zu erwarten sein. Oder ob es dem Militär gelingt, eine ausgewogene die Interessen aller Fraktionen berücksichtigende Lösung zu finden. Im Moment zumindest haben sich die Yellow Shirts mit ihrer ursprünglichen Forderung nach Absetzung der Regierung und der Chance auf Etablierung eines Systems, dass ihnen zukünftig zu mehr oder zur Macht verhilft, durchgesetzt.

Maßnahmen des Militärs

Gleichzeitig muss man dem Militär auch zuerkennen, dass es begonnen hat, mit lange bekannten und sich weiter verschlimmernden Missständen aufzuräumen:

  • Im Wahlkampf 2011 hatte die Regierung von Yingluck Shinawatra den Reisbauern versprochen, ihre gesamte Ernte zu einem garantierten Preis abzukaufen. Bis zur Auflösung der Regierung wurden die Bauern größtenteils jedoch nicht ausbezahlt. Die Militärregierung hat die Begleichung der Schulden an die Reisbauern nun zu einer der wichtigsten Aufgaben erklärt.
  • General Prayuth Chan-ocha hat außerdem den Kampf gegen Korruption angesagt und direkt Politiker, die Polizei und andere öffentliche Autoritäten adressiert, die gegen Geld kriminelle Handlungen dulden.
  • In Thailand haben sich in den vergangenen Jahren Mafia-Strukturen etabliert, die die Touristen „abgezockt“ haben. Die Berüchtigtsten von ihnen sind als die Tuk-Tuk-Mafia, die Taxi-Mafia und die Jet-Ski-Mafia in die Schlagzeilen geraten. Teilweise sind sie so weit gegangen, Touristen die Zufahrt zu Hotels und Resorts zu verwehren, die eigene Shuttleservices anbieten, um die Abzocke ihrer Gäste zu verhindern. Unterstützt wurden sie durch Bürgermeister und führende Lokalpolitiker, wie z.B. dem Bürgermeister von Karon auf Phuket.
  • Weiterhin steht die Bekämpfung der Kriminalität im Fokus. Hierzu zählen die kriminelle Ladyboy-Gangs, die ihre Kundschaft ausrauben, betrügerische Mönche (es wurde extra eine sog. „Bad Monks Hotline“ eingerichtet) und die Beschlagnahme von Waffen.


Um Fehlinterpretationen vorzubeugen. Nein, wir sind keine Royalisten und wir sehen die Notwendigkeit eines sozialen Ausgleichs für die ärmeren Bevölkerungsschichten. Umso mehr, da in Thailand die soziale Schere bereits weit auseinandergelaufen ist. Als politisch mündige Bürger stehen uns basisdemokratische Modelle näher als selbst die bestehende parlamentarische Demokratie mit ihren sehr eingeschränkten Mitbestimmungsrechten